Martin Sommer

ist Student der Sozialen Arbeit im 6. Semester und Freiform-Pilot. Er engagiert sich in der experimentellen Entwicklung und der Ausgestaltung der Freiform. Für ihn ist der Name Programm: «Endlich eine Studienform, die das wirklich Wichtige ins Zentrum setzt.»

Salome Leuenberger

ist Studentin der Sozialen Arbeit im 2. Semester und Freiform-Pilotin. Seit Beginn ihres Studiums ist sie Teil der Community und entwickelt die Freiform und den Portfolio-Prozess mit.

Studierende

Wenn du dein Studium selbst gestalten und formen möchtest, bist du bei uns richtig. Du solltest gerne intensiv mit Personen aus Wissenschaft und Praxis zusammenarbeiten, selbstorganisiert Kompetenzen entwickeln sowie Freude am Experimentieren mitbringen.

Die wichtigsten Fragen zur Freiform haben wir nachstehend beantwortet. Ist dein Interesse geweckt? Hast du noch weitere Fragen oder möchtest du dich für diese Studienform bewerben? Dann nimm mit uns Kontakt auf.

Wie kann ich mich bewerben?

Das Aufnahmeverfahren für das Herbstsemester 2019 ist abgeschlossen.

Es werden auch nächstes Jahr wieder 30 Studienplätze in der Freiform vergeben. Wie sich das Aufnahmeverfahren für Herbst 2020 gestaltet, werden wir demnächst hier bekannt geben.

Welche Kompetenzen kann ich entwickeln?

Der Bachelor in Sozialer Arbeit ist als generalistische Grundausbildung konzipiert und bereitet seine Studierenden grundlegend und prinzipiell auf eine Berufstätigkeit in allen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit vor. Er ist kompetenzorientiert und die Absolvent*innen erhalten den akademischen Titel «Bachelor of Arts FHNW in Sozialer Arbeit». Diese Grundlagen gelten auch für die Freiform.

Im Kompetenzprofil des Bachelor-Studiums der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW ist festgelegt, welche Kompetenzen am Ende des Studiums zu erreichen sind. Das Kompetenzprofil gilt als Referenzrahmen auch für die Studierenden der Freiform.

Durch die starke Selbststeuerung der Kompetenzentwicklung setzen Studierende in der Freiform noch stärker als in den anderen Studienformen individuelle Schwerpunkte. Durch die offene Gestaltung ihrer Kompetenzentwicklung bilden sie ihr eigenes fachliches Profil aus. Im Portfolio-Prozess werden Studierende ihre Kompetenzentwicklung planen, kritisch reflektieren, dokumentieren und professionstheoretisch fundieren. Dabei stehen ihnen ihre Coaches und auf Wunsch auch ein Peer-Tutoring unterstützend zur Seite.

Wo und wie kann ich Kompetenzen und Wissen entwickeln?

Spezifische Angebote in der Orientierungsphase unterstützen Studierende dabei, sich innerhalb der Freiform selbstorganisiert und kooperativ zu bewegen und dafür auch digitale Strukturen und Angebote zu nutzen. Sie werden in die Prinzipien der Freiform eingeführt und erleben diese in unterschiedlichen Settings. Die Nutzung der Angebote der Orientierungsphase sind freiwillig, werden jedoch empfohlen.

Der Besuch der Rhythmen – Forschungswerkstatt, Fallwerkstatt, Marktplatz, Kritischer Impuls, Jahresworkshop – werden zur Entwicklung der Kompetenzen empfohlen, sind jedoch freiwillig.

Die Bündnisse bilden sich auf freiwilliger Basis punktuell themen- und interessensgeleitet. In den Bündnissen wird selbstorganisiert unter den Bündnispartner*innen gemeinsam verhandelt, welche Kompetenzentwicklung ermöglicht wird.

Der Wissenspool und der Austausch im Co-Working-Space dienen ebenso der Kompetenzbildung und werden von den Studierenden nach Bedarf selbstorganisiert genutzt.

Die Studierenden steuern ihre thematische Auseinandersetzung mit den Inhalten des Kompetenzprofils selbst. Sie werden dabei im Portfolio-Prozess von ihren Coaches und auf Wunsch von Peer-Tutor*innen begleitet.

Studierende können Module im regulären Angebot des Bachelors besuchen, ohne jedoch den entsprechenden Leistungsnachweis zu absolvieren. In welchem Umfang dies Sinn macht, ist mit den Coaches während der Pilotphase der Freiform auszuhandeln und die Erfahrungen sollen für den anschliessenden Regelbetrieb die Basis für eine allfällige Regelung bilden.

Wer gibt mir Feedback zu meiner Kompetenzentwicklung?

Das Lernwirksame Feedback ist eine zentrale Methode für die Kompetenzentwicklung in der Freiform. Gemäss den Prinzipien der Freiform basiert unsere Zusammenarbeit auf Erfahrungs- und Wissensaustausch, wir sind alle Lernende und lernen voneinander und geben uns Rückmeldungen, um unser Denken und Handeln zu erweitern.

Sicherheit, Vertrauen und Orientierung sind Grundlagen für gelingende Lern- und Feedbackprozesse. Wir setzen voraus, dass die Community-Mitglieder in der Freiform nachhaltig, aktiv und eigenverantwortlich am Aufbau von Wissen und Fähigkeiten arbeiten wollen. Daraus ergibt sich das Bedürfnis nach Feedbacks.

In der Freiform gehen wir davon aus, dass Lernwirksames Feedback den individuellen Lernprozess unterstützt. Lernwirksames Feedback wird von allen am Lernprozess beteiligten Personen empfangen und gegeben und findet fortlaufend während des ganzen Lernprozesses statt. Einholen und Geben von Feedback ist grundsätzlich immer – auch informell – möglich.

Welche Nachweise muss ich erbringen und wie werden sie bewertet?

In der Freiform findet die Bewertung der Kompetenzentwicklung der Studierenden grundsätzlich als Lernwirksames Feedback statt. Zusätzlich sind vier Nachweise verpflichtend zu erbringen:

Praxisphase: Ich zeige, dass ich die Interaktion mit Adressat*innen der Sozialen Arbeit gestalten kann.

Praxisarbeit: Ich zeige, dass ich einen Fall analysieren, diagnostizieren, die Intervention planen sowie durchführen und evaluieren kann.

Bachelor-Thesis: Ich zeige, dass ich wissenschaftlich arbeiten kann.

Portfolio: Ich zeige, was ich kann und dass ich die Professionskompetenz gemäss Kompetenzprofil entwickelt habe.

Die vier Nachweise werden mit der Zweier-Skala erfüllt/nicht erfüllt bewertet. Vor Abschluss des Nachweises erhält man Lernwirksames Feedback und kann bei Bedarf seine Kompetenzen weiterentwickeln. Die Bewertung des Nachweises obliegt dem Trialog. Gemeinsam wird der Entscheid im Konsentverfahren gefällt: insofern keine der beurteilenden Personen einen schwerwiegenden Einwand anführt, gilt der Nachweis als erfüllt.

Wünschen sich Studierende eine Abschlussnote für das Gesamtstudium, wird diese Note ebenfalls im Trialog vergeben. Kann keine Einigung erzielt werden, kommt der Lösungsraum zum Tragen. Auf einer ersten Stufe als Mediation, welche auf Verständigung abzielt und als zweite Stufe abschliessend mit einem fachlichen Gutachten und möglichem Rechtsweg (Einsprache).

Wie erfolgen die Standortgespräche im Portfolio-Prozess?

Im Rahmen des Portfolio-Prozesses finden drei Standortgespräche als Vorbereitung für den Portfolio-Nachweis statt. Im Gegensatz zum Coaching im Portfolio-Prozess sind sie verpflichtend. Die Standortgespräche sind trialogisch ausgelegt: Co-Coaches aus Praxis und Hochschule sowie der Student, die Studentin gestalten sie gemeinsam. Auf Wunsch der Studierenden kann das Peer-Tutoring zum Gespräch hinzugezogen werden.

1. Standortgespräch: Arbeitsbündnis schliessen
Das erste Standortgespräch findet in der Orientierungsphase statt. Es werden Schwerpunkte und Perspektiven für das bevorstehende Studium entwickelt und formuliert. Das Gespräch beinhaltet zudem die trialogische Verständigung über die Gestaltung der zukünftigen Zusammenarbeit und den Einbezug des Peer-Tutoring.

2. Standortgespräch: Beurteilungskriterien entwickeln
Im zweiten Standortgespräch werden die Kriterien definiert, an denen die Beurteilung des Nachweises gemessen wird. Das geschieht in Bezugnahme auf das Kompetenzprofil. Die Kriterien orientieren sich an der individuellen Schwerpunktsetzung hinsichtlich der einzelnen Kompetenzen.

3. Standortgespräch: Sättigung der Kompetenzentwicklung
Das dritte Standortgespräch bereitet den Portfolio-Nachweis vor. Hier wird darüber verhandelt, inwieweit Studierende die erforderliche Professionskompetenz (bestehend aus den verschiedenen Kompetenzen und Wissensaspekten) im Rahmen des Kompetenzprofils entwickelt haben. Die Coaches geben eine grundlegende Einschätzung ab, inwieweit Studierende die erforderliche Professionskompetenz erworben haben und ob sie für den Nachweis fachlich bereit sind. Die Studierenden entscheiden selbst, ob sie zum Nachweis antreten oder die Kompetenzen weiterentwickeln möchten.

Wann erhalte ich das Bachelor-Diplom in Sozialer Arbeit?

Die Studierenden erhalten den Titel «Bachelor of Arts FHNW in Sozialer Arbeit», wenn sie alle Nachweise sowie die drei Standortgespräche im Portfolio-Prozess erfolgreich absolviert und mindestens 180 ECTS-Punkte erreicht haben. Auf Wunsch wird eine Abschlussnote im Trialog im Anschluss an den Portfolio-Nachweis bestimmt.

Wie viel Zeit muss ich investieren?

Die Studierenden schreiben sich semesterweise für sogenannte Zeit-Module ein. 1 ECTS entspricht 30 Stunden Workload. Pro Halbjahr entspricht ein halber Studientag 3 ECTS. Im Minimum sind zwei Tage pro Semester zu belegen, maximal können 5 Tage belegt werden, was einem Vollzeitstudium entspricht. Damit wird eine «Jahresstudienzeit» bestimmt, abzüglich 10 Wochen freie Zeit (Ferien und Feiertage).

Wie sind Präsenztage, Semesterzeiten und unterrichtsfreie Zeit geregelt?

Mittwoch und Donnerstag sind als Präsenztage definiert, d.h. Tage, an denen die Rhythmen stattfinden. Treffen der Bündnisse können dann ebenfalls vereinbart werden, liegen aber in der Selbstorganisation der Bündnisse.

Die Rhythmen finden ausschliesslich während der 15 Semesterwochen statt, der Jahresworkshop in der 17. Semesterwoche. In der 16. Semesterwoche können Blockangebote des regulären Bachelor-Studiums besucht werden. Projektbündnisse sind nicht an die Semesterwochen gebunden und werden durch die Bündnispartner selbstorganisiert.

Für die Angebote im Ermöglichungsraum sind mittwochs und donnerstags folgende Zeitfenster vorgesehen:

Mittwochvormittag: Forschungswerkstatt gerade Wochen, Fallwerkstatt ungerade Wochen

Mittwochnachmittag: Portfolio, Marktplatz 1 x monatlich, Kritischer Impuls 4 x jährlich

Donnerstagvormittag: Bündnisse

Donnerstagnachmittag: Selbststudium, allenfalls im Co-Working-Space

Wo finden die Veranstaltungen statt?

Die Studierenden müssen von verschiedenen Lernorten ausgehen, welche in der Regel im Bereich der Trägerkantone der FHNW liegen (Campus Muttenz, Campus Olten, Praxisorganisationen) und die Fahrtkosten selbst übernehmen. Sie können mit der FH-Card und einer Bestätigung der Ausbildungsadministration verbilligte Zugabonnemente bei der SBB beziehen.

Der Co-Working-Space befindet sich im 7. Stock am Campus Muttenz.

Kann ich zwischen den Studienformen wechseln?

Studierende können semesterweise aus der Pilotstudienform Freiform in die regulären Studienformen – Vollzeit, Teilzeit, Studienbegleitende Praxisausbildung – wechseln. Sie nehmen in diesem Fall die bereits absolvierten ECTS-Punkte mit. Gemäss ihrem Portfolio werden die Äquivalenzen für Module im regulären Bachelor bestimmt. Dazu reichen die Studierenden ein Gesuch an die Leitung Bachelor-Studium ein, welches die Begründung für den Wechsel und den Antrag für die Äquivalenzen enthält sowie den Zeitpunkt des gewünschten Wechsels benennt. Austrittsprozesse aus dem Studium laufen analog wie im regulären Bachelor.

Durch die individuelle Profilbildung obliegt es den Studierenden, ihr Profil durch den Portfolio-Prozess zu beschreiben, um bei einem Wechsel an eine andere Hochschule entsprechende Äquivalenzen beantragen zu können.

Ein Auslandssemester ist jederzeit möglich. Die Kompetenzentwicklung wird mit den Coaches geplant und mit dem International Office ein «Learning agreement» vereinbart.

Studierende im regulären Bachelor können während der Pilotphase nicht in die Freiform wechseln. Sie können jedoch Marktplätze besuchen, den Wissenspool nutzen und an Bündnissen teilnehmen, sofern noch Plätze frei sind.

Wie gestalte ich die Community mit?

In der Freiform-Community soll der Studienbetrieb möglichst selbstgesteuert organisiert werden. Zur Community zählen im engeren Sinn die Kooperationspartner aus der Praxis, die Verantwortlichen aus der Hochschule, die kontinuierlich eng Mitwirkenden in den diversen Angeboten im Ermöglichungsraum sowie die Studierenden. Innerhalb der Freiform werden neue Formen der Zusammenarbeit und der Steuerung erprobt und mit den Community-Mitgliedern umgesetzt. Community-Mitglieder beteiligen sich innerhalb der Freiform an Steuerungsaufgaben, welche netzwerkartig verbunden werden. Je nach Bedarf werden diese Organisationsstrukturen wieder angepasst und verändert.